Am 3. Dezember 2025 haben wir ein Stück Regionalgeschichte geschrieben: Zum ersten Mal kamen die sechs LEADER-Regionen aus dem Grenzgebiet von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu einem gemeinsamen Austausch zusammen. Mit dabei waren im Bürgerhaus Helmarshausen die Regionen VoglerRegion im Weserbergland, Göttinger Land, Harzweserland (alle Niedersachsen), Kulturland Kreis Höxter und das Südliche Paderborner Land (NRW) – und wir: die Region Kassel-Land. Ergänzt wurde die Runde durch Bürgermeister*innen der beteiligten Regionen sowie einen Politik-Leistungskurs des Gymnasiums Beverungen. Damit war das Motto des Tages bestens gesetzt: „Jugend bewegt – Zukunftsdialog der Generationen“.
Inspiration zum Auftakt: Der Blick der Jugend aufs Land
In seiner Keynote gab Dr. Jan Schametat (HAWK) einen fundierten und gleichzeitig ermutigenden Einblick in aktuelle demografische Entwicklungen. Besonders spannend: Der Wunsch junger Menschen, in ihrer Heimat zu bleiben, ist überraschend hoch – und je kleiner der Ort, desto stärker die soziale Bindung. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während junge Frauen statistisch eher wegziehen, bleiben junge Männer häufiger im ländlichen Raum.
Markt der Möglichkeiten: Lernen voneinander
Im Anschluss stellten die beteiligten Regionen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ausgewählte Projekte vor. Insbesondere die Schüler*innen des Politikleistungskurses nutzten die Gelegenheit, kritisch nachzufragen und tief in die Themen einzusteigen.
Eines der Highlights war die Spielesammlung „Dorfkind X“ aus dem Kulturland Kreis Höxter: ein Dorfquartett, ein Dorf-Memo und ein „Stadt-Land-Dorf“-Block. Spielerisch vermitteln sie Dorfwissen und stärken die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld.
Beeindruckt hat uns auch der Mehrgenerationenspielplatz in Boffzen, ausgestattet u.a. mit Boule-Platz, Skaterbereich und sogar einer Toilettenanlage – ein gutes Beispiel dafür, wie generationenübergreifende Freizeitangebote im ländlichen Raum funktionieren können.
Podiumsdiskussion: Jugend redet – und wir hören zu
Zum Abschluss diskutierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion junge Menschen mit Dr. Jan Schametat und weiteren Akteur*innen, moderiert von unserem Regionalmanager Oliver Sollbach. Die Jugendlichen setzten klare Akzente, allen voran bei den Themen Teilhabe und Mobilität. Unsere beiden Vertreter aus dem LEADER-Entscheidungsgremium, Alina Ritter und Rocco Genzel, brachten wichtige Punkte ein: Junge Menschen fühlen sich oft nicht ernst genommen und erleben Entscheidungen „von oben herab“. In dieser Runde jedoch – das betonten beide – haben sie sich gehört und wertgeschätzt gefühlt. Allerdings wurde auch deutlich: LEADER selbst ist für viele Jugendliche kaum sichtbar – weder in Schulen noch im Kreisschüler*innenrat. Das muss sich ändern! Denn das Interesse junger Menschen an echter Beteiligung ist groß und bietet enormes Potenzial für die Zukunft unserer Dörfer.
Es geht weiter
Das Fazit des Tages fällt eindeutig aus: Das Dreiländereck-Treffen war ein großer Mehrwert für alle beteiligten Regionen. Wir haben ein wichtiges Thema gesetzt, erstmals die regionalen Grenzen überwunden und einen Raum geschaffen, in dem Gedanken, Gefühle und Perspektiven offen Platz hatten. Genau solche Treffen stärken die Beziehungen zwischen Menschen und Regionen – und legen die Grundlage dafür, gemeinsam Strukturen weiterzuentwickeln.
Wir sind uns einig: Das war nicht das letzte Treffen! Weitere Austausche, Workshops und gemeinsame Projekte sind bereits in Planung. Denn Zukunft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen – und bereit sind, miteinander Neues zu gestalten.



Fotos: Jonas Jungesblut
