Wie läuft es mit LEADER in unserer Region? Können wir als Verein Region-Kassel-Land als aktiver Gestalter der Regionalentwicklung wirken? Sind wir auf einem guten Weg, die Lokale Entwicklungsstrategie umzusetzen?
Um diese und ähnliche Fragen kreiste die Zwischenevaluation der aktuellen Förderperiode, die in diesem Herbst von der projaegt GmbH durchgeführt wurde.

Die Zwischenevaluation stützt sich auf sechs Bausteine: Die Analyse vorhandener Unterlagen und Daten, Gespräche mit Projektträger*innen aus LEADER und dem Regionalbudget, ein Diskussionsforum mit dem LEADER-Entscheidungsgremium, der Austausch mit der Bewilligungsstelle des Landkreises Kassel, ein Bilanzierungsworkshop mit dem Verein Region Kassel-Land e. V. sowie der kontinuierliche Abgleich mit dem Regionalmanagement.

Trotz eher geringer Beteiligung lieferte besonders der Bilanzierungsworkshop wichtige Impulse, auch wenn die Ergebnisse nur einen kleinen Teil der Mitgliedschaft widerspiegeln. Dennoch wurde eine gute geografische, altersstrukturelle und institutionelle Zusammensetzung erreicht.

Das LEADER-Entscheidungsgremium charakterisiert seine eigene Arbeit positiv. Hervorgehoben wird der angenehm diskursive Charakter der ehrenamtlichen Gremienarbeit.

Mit Blick auf die Erfüllung unserer Lokale Entwicklungsstrategie (LES) ergibt sich ein differenziertes Bild:

Besonders stark sind wir im Bereich “Tourismus und Naherholung”. Hier konnten wir bereits zahlreiche Projekte umsetzen, zum Beispiel die Entwicklung von regionaltypischen Freizeit- und Naherholungsangeboten, die Förderung von Maßnahmen zur Erhaltung einer artenreichen Landschaft und die Schaffung von Beratung-/Qualifizierungsangeboten für touristische Leistungsträger. Das Feld profitiert von einer hohen Dynamik, erfahrenen Akteur*innen und klassischen LEADER-Themen, die in der Region gut verankert sind.

Ebenso im Regionalbudget sind wir bestens aufgestellt. Mehrere Teilziele – darunter die Förderung junger Menschen sowie Projekte der Naherholung, Freizeit und Kultur – wurden bereits erreicht oder teils deutlich übertroffen. Das Regionalbudget wirkt durch seinen niedrigschwelligen Zugang besonders attraktiv für zivilgesellschaftliche Akteur*innen und ist regelmäßig überzeichnet.

Im Handlungsfeld „Daseinsvorsorge“ konnten einige Erfolge erzielt werden, etwa im Bereich der Umsetzung von investiven Vorhaben in den Bereichen Gesundheit, Versorgung, Freizeit und Kultur. Dennoch wird bis zum Ende der Förderperiode das Handlungsfeldziel nicht ganz erfüllt werden. Gründe hierfür liegen in komplexen Aufgaben, begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen der Kommunen sowie teilweise attraktiveren Förderprogrammen in einzelnen Themenbereichen wie der Mobilität.

Nachholbedarf besteht im Handlungsfeld „Regionale Wirtschaft“, da viele Klein- und Kleinstunternehmen die Fördermöglichkeiten noch nicht kennen oder die Verfahren als zu bürokratisch empfinden. Das ursprünglich diskutierte Handlungsfeld „Bioökonomie“ bestätigt sich zudem nicht als tragfähig eigenständig und wurde daher sachgerecht in die regionale Wirtschaft integriert.

Übergreifend wird deutlich, dass die umfangreichen landesseitigen Vorgaben die regionalen Gestaltungsspielräume einschränken und dem ursprünglichen LEADER-Gedanken eines Bottom-up-Prozesses entgegenstehen. Die jährliche und stark reglementierte Zuteilung der Fördermittel erschwert die projektorientierte Arbeit vor Ort zusätzlich. Zudem ist die Förderrichtlinie über die Jahre hinweg komplizierter geworden, was zu Unsicherheiten, Frustration und Verzögerungen führt.

Auch die LES ist in der Region weniger bekannt als wünschenswert – selbst bei Projektträger*innen und Vereinsmitgliedern. Dabei ist es für LEADER entscheidend, dass das Programm als bedeutende Förderoption für Projekte in der Region bekannt ist. Nur dann können Akteur*innen gezielt Kontakt aufnehmen und ihre Idee prüfen lassen.
Wiederkehrende Modethemen (z.B. Pumptracks) sorgen außerdem dafür, dass ähnliche Projekte an verschiedenen Orten entstehen; künftig soll stärker auf eigenständige Profile und wechselseitiges Lernen geachtet werden. Dabei soll auch der Verein als solches eine aktivere Rolle einnehmen, in dem etwa regional relevante Themen fachlich aufgearbeitet werden und verstärkt Workshops angeboten werden, um Themen zu erschließen und Projekte anzustoßen. Dafür sind sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen erforderlich.

Insgesamt hat projaegt einige Empfehlungen für unseren Verein abgeleitet: Die Förderrichtlinie sollte vereinfacht und stärker auf regionale Handlungsspielräume ausgerichtet werden, die LES braucht mehr Sichtbarkeit und Projekte sollten trotz inhaltlicher Nähe deutlicher individuelle Schwerpunkte setzen, um den regionalen Mehrwert zu erhöhen. Mit diesen wichtigen Impulsen starten wir in das Jahr 2026 und damit die letzten zwei Jahre der aktuellen Förderperiode.

Den vollständigen Evaluierungsbericht können Sie HIER herunterladen.

 

Foto: Rawpixel/Freepik.com

von | 09.12.2025

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