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…kurz erklärt: LandVersorgt

Im Rahmen der Fördermaßnahme ”LandVersorgt – Neue Wege der Nahversorgung in ländlichen Räumen“ des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE) unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 15 innovative Projekte, die geeignet sind, die Nahversorgung in den ländlichen Räumen an aktuelle Herausforderungen anzupassen und damit die Daseinsvorsorge zu sichern. 

Die Fördermaßnahme wird durch den Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) im Rahmen des Aktionsbündnisses “Leben auf dem Land” begleitet. Gefördert wird im ersten Schritt die Erarbeitung innovativer Projektkonzepte, um die Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs voranzutreiben. Die Konzepte sollen modellhaft sein, neue Ideen aufgreifen und übertragbare Lösungen entwickeln – so dass sie für andere ländliche Regionen als Vorbild dienen können. 

Projekt „Lebens.Mittel.Punkte“:

Die gemeinsame Projektskizze „Lebens.Mittel.Punkte“ der Städte Wolfhagen, Volkmarsen, Zierenberg, Gudensberg, Niedenstein und Fritzlar sowie der Gemeinde Bad Emstal wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) als Modellvorhaben ausgewählt. Die Erstellung des Konzeptes übernahm Region Kassel-Land e.V. im Auftrag der sieben beteiligten Kommunen. 

Ziel der Konzeptphase war es, gemeinsam mit der Bevölkerung ein bedarfsgerechtes Konzept für eine zeitgemäße, dezentrale Nahversorgung auf dem Lande zu erarbeiten.

Die Idee:

Basierend auf den traditionellen Gefrierhaus-Gemeinschaften in nordhessischen Dörfern sieht das Konzept „Lebens.Mittel.Punkte“ eine zentrale dörfliche Abholstation mit digitaler Bestellmöglichkeit für Güter des täglichen Bedarfs vor. Das Sortiment soll sowohl aus regionalen Erzeugnissen als auch den Produkten des lokalen Einzelhandels bestehen und mit einer digitalen Liefer- und Zahlungsinfrastruktur verknüpft sein. Dabei soll der zentrale Abholort zusätzlich Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten im Dorf bieten – er wird zum Lebens.Mittel.Punkt.


Das Nahversorgungskonzept „Lebens.Mittel.Punkte“:

Abb. 1: Schematische Darstellung von Bestellung und Lieferung

Abb. 2: Schematische Darstellung von Bezahlung und Retournierung der Pfand-Boxen

Mit dem Vorhaben soll eine Stärkung des lokalen Handels durch die Schaffung eines digitalen Vertriebsangebots für den inhabergeführten Einzelhandel und die Direktvermarkter entstehen. Über einen zentralen Online-Shop soll das lokale Warenangebot gebündelt und den Kund*innen zugänglich gemacht werden. Die Zustellung der Waren an einen zentralen Abholort im Dorf erfolgt entweder durch den Händler selbst oder durch vorhandene regionale Lieferdienstleister. Durch die Bündelung des Warenkorbs kommt es zu einer Reduzierung der Wegstrecken je Einkauf sowie über das Mehrwegbox-Pfandsystem zu einer Reduzierung der Verpackungsmengen. Nutzer*innen können ihre bestellten Waren jederzeit im zugangsgesicherten Schließfachsystem des Lebens.Mittel.Punktes abholen. Somit kommt es zu einem Ausgleich der Nachteile des E-Commerce mit Lebensmitteln, welcher bislang eine persönliche Anwesenheit bei Anlieferung sowie ein hohes Maß an Verpackungsmaterialien erfordert. Über begleitende Angebote und modulare Erweiterungen der Lebens.Mittel.Punkte durch die Bürgerschaft könnten neue soziale Orte entstehen und zu einer Revitalisierung der Ortskerne beitragen.

Eine Verbraucherbefragung und partizipative Bürgerworkshops in sieben Modelldörfern zeigten die Erforderlichkeit eines PKWs für die Erledigung von Einkäufen in ländlichen Regionen, den Wunsch nach weniger Zeitaufwand für den Einkauf sowie eine generelle Offenheit für die Nutzung eines Online-Shops mit Lieferung an eine zentrale Abholstation im Ort. Darüber hinaus bestand ein hohes Interesse an mehr Begegnungsstätten in den Dörfern. Als mögliche Zielgruppen für Lebens.Mittel.Punkte konnten insbesondere Berufstätige in Mehrpersonenhaushalten sowie ältere bzw. mobilitätseingeschränkte Personen identifiziert werden.

Durch Recherchen und Expert*innen-Interviews konnten Umsetzungspartner aus den Bereichen des inhabergeführten Lebensmitteleinzelhandels, der Direktvermarktung, eines Dorfladens, eines lokalen Lieferservices sowie Anbietern von geeigneten Online-Plattformen und Schließfach-Lösungen ausfindig gemacht werden. Dabei spielen vor allem Schnittstellen zu automatisierten Warenwirtschaftssystemen eine wichtige Rolle für die Skalierbarkeit des Angebotes über die Online-Bestellplattform.

Da für den Betrieb von Lebens.Mittel.Punkten mehrere vorhandene Systeme und eine Vielzahl von Akteuren miteinander vernetzt werden müssen, wird eine zwei-jährige Pilotphase empfohlen, um die in der Konzeptphase skizzierten Betriebsabläufe zu erproben bzw. zu optimieren. Anpassungen während der Pilotphase müssen über eine Projektleitung mithilfe eines aktiven Netzwerkmanagements vorgenommen werden, sodass der Übergang in den Regelbetrieb durch einen Betreiber mit einem marktreifen Produkt erfolgen kann. Die Markteinführung sollte über einen dialogischen Planungsprozess mit der Bevölkerung sowie begleitendes Marketing und Öffentlichkeitsarbeit erfolgen.  

Das vorliegende Konzept setzt voraus, dass eine Aufteilung der Investitions- und Betriebskosten auf alle beteiligten Akteure erfolgt. Kommunen tragen im Rahmen der Daseinsvorsorge die Investitionskosten für die Einrichtung und Ausstattung der Lebens.Mittel.Punkte (unterstützt durch Förderungen). Zudem übernehmen sie die anfänglichen Betriebskosten. Auf die Händler kommen Personalkosten für Picking und Kommissionierung der Waren sowie Sachkosten für die Digitalisierung des eigenen Sortiments, ggf. Anschaffungen von erforderlicher Hardware-Ausstattung und die Einrichtung des Händlerzugangs im Online-Portal zu. Die laufenden Betriebskosten der Online-Plattform sowie die Kosten der Lieferung müssen von den Kund*innen getragen werden. Der Betreiber stellt über seine Erträge aus dem Abo-/Mitgliedschaftsmodell sicher, dass seine Personalkosten für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Kunden- und Händlerakquise sowie den Kundenservice refinanziert werden. Zudem obliegt ihm die Anschaffung, das Management und die Lagerung der Pfand-Boxen.

Unter diesen Annahmen könnte die Einrichtung von sieben Lebens.Mittel.Punkten in den Modelldörfern im Rahmen einer Pilotphase und deren dauerhafter Betrieb kostendeckend erfolgen. Durch die Erschließung weiterer Standorte können Skaleneffekte eintreten, welche die laufenden Betriebskosten senken und damit die wirtschaftliche Tragfähigkeit für den künftigen Betreiber verbessern. Eine abschließende Evaluierung der Pilotphase bietet die Gelegenheit für Anpassungsmöglichkeiten zur erfolgreichen und wirtschaftlich tragfähigen Markteinführung von Lebens.Mittel.Punkten in weiteren Dörfern.

Die Projekt-Region:

7 Kommunen:

  • Volkmarsen
  • Zierenberg
  • Wolfhagen
  • Bad Emstal
  • Niedenstein
  • Fritzlar
  • Gudensberg

4 LEADER-Regionen:

  • Diemelsee-Nordwaldeck
  • KulturLandschaft Hessenspitze
  • Casseler BergLand
  • Mittleres Fuldatal

3 Landkreise:

  • Waldeck-Frankenberg
  • Kassel
  • Schwalm-Eder